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Heilige

Andreas Resch: Pio von Pietrelcina (Francesco Forgione)

Andreas Resch: Pio von Pietrelcina (Francesco Forgione)

Pio von PietralcinaPIO VON PIETRELCINA
(Francesco Forgione)

(1887 – 1968)

PROFESSPRIESTER
DES ORDENS DER MINDERBRÜDER KAPUZINER

Heiligsprechung: 16. Juni 2002
Fest: 23. September

Der heilige PIO VON PETRELCINA (Francesco Forgione) wurde am 25. Mai 1887 als Sohn von Grazio Forgione und Maria Giuseppa De Nunzio in Pietrelcina, Erzdiözese Benevent, Italien, geboren und am darauffolgenden Tag auf den Namen Francesco getauft. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er zusammen mit seinem Bruder und seinen Schwestern in einer bäuerlichen Umgebung. Er besuchte die Volksschule des Dorfes, wo er mit seiner Liebenswürdigkeit und seinem Fleiß bei den Altersgenossen Bewunderung hervorrief. Was hingegen Außergewöhnliches in seinem Innern vorging, wissen wir von seinen Spiritualen, die bezeugen, dass „die Ekstasen und Erscheinungen im fünften Lebensjahr begannen, als er den Gedanken und das Empfinden hatte, sich für immer dem Herrn zu weihen“. Mit 12 Jahren empfing Francesco das Sakrament der Firmung und der Erstkommunion.

 Da er, wie er schreibt, „von frühester Kindheit an die Berufung zum Ordensstand“ verspürte, wurde er am 6. Januar 1903 im Konvent von Morcone (Benevent), ca. 30 km von Pietrelcina entfernt, vorstellig, um dort um Aufnahme in das Noviziat der Kapuziner zu bitten. Am 22. des Monats nahm er den Kapuzinerhabit und nannte sich fortan Pio von Pietrelcina. Nach Beendigung des Noviziatsjahres legte er die einfachen Gelübde ab und begann sein Leben als Kapuzinerstudent in Sant’Elia a Pianisi (1904 –1909), wo er dem Pater General des Ordens begegnete, den er bat, ihn in die Mission zu schicken; seiner Bitte wurde jedoch nicht entsprochen. 1905 kam es zu einer „Bilokation“ und zu einem „außergewöhnlichen Ereignis“. Am 27. Januar 1907 legte Pio die ewige Profess ab. Aus Gesundheitsgründen war er nicht nur ständig gezwungen, von einem Konvent zum andern zu wechseln, sondern auch außerhalb der Konvente, in Pietrelcina, zu wohnen, so dass er sich wie „ein Verbannter im Exil der Welt“ vorkam.

 Am 10. August 1910 verwirklichte sich mit der Priesterweihe im Dom von Benevent sein „Herzenswunsch“. In der Tat war für Pater Pio jede Messe „die erste Messe“; seine Freude war unaussprechlich und beständig, einzig und allein getrübt durch seine Undankbarkeit, wie er glaubte und sagte. In diesem Jahr (1910) kam es zum „ersten Auftreten der Stigmen“, ein Phänomen, das sich auch 1911 wiederholte, was Pater Pio aber verschwieg, wurde er doch „immer von jener verfluchten Scham“ bezwungen. Zudem zwang ihn eine mysteriöse Krankheit nahezu sieben Jahre lang, von Mai 1909 bis Februar 1916, in Pietrelcina zu wohnen. Es war dies für ihn eine Zeit intensiven innerlichen Lebens. Während der Jahre, in denen er den Konvent mehrmals verließ und immer wieder dorthin zurückkehrte, war sein längster Aufenthalt bei seinen Mitbrüdern in Venafro, nämlich von Ende Oktober bis 7. Dezember 1911. Sie waren es auch, die die ersten außergewöhnlichen Phänomene wahrnahmen: „Ekstasen und teuflische Schikanen“. P. Pios Stütze war die Eucharistie – sei es, dass er die Messe feierte oder dass er, weil bettlägerig, nur die heilige Kommunion empfing. Aufgrund seines verschlechterten Gesundheitszustandes kehrte er am 7. Dezember 1911, begleitet von P. Augustin, nach Pietrelcina zurück und blieb dort bis zum 17. Februar 1916, mit Ausnahme einer kurzen Abwesenheit zwecks Ableistung des Militärdienstes. Während seiner Zeit in Pietrelcina beschränkte sich seine seelsorgliche Tätigkeit auf Hilfsdienste zur Unterstützung des Pfarrers; gegen Ende dieser Periode begann er mittels Briefwechsel mit der spirituellen Führung einiger Seelen, wobei er von den Oberen stets die Erlaubnis einholte und auch bekam.

 Am 4. September 1916 wurde P. Pio in den Konvent von San Giovanni Rotondo versetzt, wo er, mit kurzen Unterbrechungen, bis zu seinem Tode blieb. Sein Leben war ein Leben der Hingabe und der totalen Aufopferung, gekennzeichnet durch außerordentliche Phänomene, von denen in diesem Kontext zumindest folgende zu nennen sind: Verlust bzw. Verlangsamung der Sinneswahrnehmung, Liebeswunden am Herzen und Transverberation (Durchbohrung des Herzens). Dabei wird die Seele, „entzündet von der Liebe Gottes“, innerlich von einem Seraphin angegriffen, der sie verbrennt, indem er sie bis auf den Grund mit einem feurigen Speer durchbohrt; die Seele wird dabei von einer unaussprechlichen Süße durchdrungen. P. Pio machte diese Erfahrung am Abend des 5. August 1918, während er den Knaben des Kapuzinerseminars die Beichte abnahm. Er sah sich „in einen Feuerozean getaucht“ und aus der „Wunde floss unaufhörlich Blut“. Es war dies das Vorspiel zur Stigmatisation. Am Morgen des 20. September 1918 erschien ihm nämlich während der Danksagung im Chor dieselbe mysteriöse Gestalt vom 5. August; diesmal aber troff das Blut von den Händen, den Füßen und aus der Seite. Deren Anblick hielt ihn gefangen, er spürte, wie ihm das Herz aus der Brust hüpfte, die Gestalt entschwand „und ich“, so erzählt er, „bemerkte, dass Hände, Füße und Rippengegend durchbohrt waren und bluteten. Ihr könnt euch vorstellen, welche Qualen ich damals litt, und diese erlebe ich jetzt praktisch jeden Tag“. Diese Wunden waren für P. Pio „eine Pein“, waren „verwirrend“, und er bat Jesus daher, dass er „nicht die Qualen, den Schmerz, zurücknehme, weil ich fühle, dass ich mich am Schmerz berauschen möchte, sondern diese äußeren Zeichen, die mich verwirren und für mich unsäglich demütigend und unerträglich sind“. Doch Jesus ließ „die Zeichen“ an seinem Körper nicht verschwinden, weil sie ein Zeichen für die im Dunkeln tappenden Menschen sein sollten.

 Pater Pio indes sprach nie von sich, er verwandte alles darauf, die Seelen zu seinem geliebten Jesus zu geleiten, indem er bis zu sechzehn Stunden am Tag Beichte hörte. „Ich habe keine freie Minute“, schreibt er in einem Brief vom 3. Juni 1919... „Es kommen hier unzählige Personen aus allen Schichten und beiderlei Geschlechts, nur um zu beichten, und einzig und allein zu diesem Zweck werde ich gerufen. Es kommt zu wunderbaren Bekehrungen.“

 Doch nicht alle waren dieser Ansicht, und die folgenden Jahre von 1818 bis 1931 sollten sich als „sehr bitter“ erweisen. Am 18. April 1920 kam P. Agostino Gemelli nach San Giovanni Rotondo, der am Tag darauf dem Heiligen Uffizium einen Bericht über seinen, wie er schreibt, „Privatbesuch“ bei P. Pio überbrachte, worin er bestätigte, die Stigmen zwar gesehen, jedoch nicht geprüft zu haben. Er gab eine Beschreibung und ein ziemlich negatives, wenngleich nicht endgültiges, Urteil dazu ab und verlangte zur genauen Kenntnisnahme noch andere Untersuchungen. Darüber hinaus riet er zu weiteren Prüfungen und Behandlungen.

 Am 26. April 1921 beschloss der Heilige Vater, den Bischof von Volterra, Msgr. Raffaele Rossi, einen Unbeschuhten Karmeliten, als Visitator zu schicken, der in seinem Bericht ausführt, dass Pater Pio grundsätzlich einen guten Eindruck auf ihn gemacht und dass er die Wunden gesehen und den Duft wahrgenommen habe. Seine 1921/22 durchgeführte Visitation trug jedoch sehr bittere Früchte, da Pater Pio in Wahrheit von Msgr. Pasquale Gagliardi, dem Erzbischof von Manfredonia, und dessen Vertrauten angeklagt wurde, „die Wundmale nur zu erfinden“, indem er Salpetersäure verwende und es ihm gelänge, besagten Duft mittels unter seinem Bett in der Zelle verborgenen Pflanzenessenzen zu erzeugen. Zudem verbreitete sich das Gerücht, P. Pio sei ein Frauenverführer. Anlässlich einer Privataudienz bei Pius XI. bekräftigte Gagliardi: „Ich habe selbst gesehen, wie er sich parfümiert und gepudert hat, um die Gläubigen zu verwirren. Ich schwöre es bei meinem Brustkreuz!“ Das Dekret des Heiligen Uffiziums vom 2. Juni 1922 rief dann dazu auf, „ jegliches Aufsehen“ um Pater Pio zu vermeiden, und man erlegte ihm Einschränkungen auf, sowohl hinsichtlich der Feier der hl. Messe als auch der Segnungen des Volkes, des Zeigens der Stigmen, der Beziehungen zu seinem Spiritual und der Kontakte mit den Gläubigen. Am 17. Juni 1923 folgte das Verbot der Messfeier sowie der Ausübung der priesterlichen Seelsorge. Als der Pater Guardian P. Pio über das Dekret unterrichtete, hob dieser die Augen zum Himmel und sagte: „Gottes Wille geschehe!“ Dann schlug er laut Pater Guardian „die Hände vor das Gesicht, senkte das Haupt und schwieg. Ich versuchte ihn zu trösten, Trost aber fand er nur in Jesus dem Gekreuzigten, denn kurz darauf ging er auf den Chor und verweilte dort bis nach Mitternacht.“ Chor, Kirche, Zelle – das war Pater Pios Leben.
 Am 7. April 1925 verfasste Dr. Giorgio Festa die Impressioni e deduzioni scientifiche su Padre Pio da Pietrelcina, die in einer ganz anderei Tonart geschrieben waren.

 In der Zeit der Einsamkeit reifte bei P. Pio jedoch die Idee zu künftigen großen Werken. Zu seiner absoluten spirituellen Hingabe kam bezüglich sozialer Nächstenliebe noch sein Einsatz zur Linderung der Schmerzen und der Armut so vieler Familien, vor allem durch die Gründung der „Casa Sollievo della Sofferenza“, das am 5. Mai 1956 eröffnet wurde.

 Am 14. Juli 1933 einigte sich das Heilige Uffizium schließlich darauf, „P. Pio zu erlauben, in der Klosterkirche von San Giovanni Rotondo, wo er gerade wohnte, die hl. Messe zu feiern, und es ihm zu gestatten, den Ordensleuten außerhalb der Kirche die Beichte abzunehmen“. Am 16. Juli 1933 feierte P. Pio in der Kirche die hl. Messe; am 25. März 1934 nahm er den Männern wieder die Beichte ab, am 12. Mai dann auch den Frauen. Er übte sein Apostolat nach den ihm von den Oberen auferlegten Vorgaben aus, „umsichtig und klug“. Seine Spiritualität war beständig und intensiv durchdrungen von seiner Liebe zu Gott und dem Nächsten: Gott hatte „im Zentrum der Seele“ Platz genommen, und gleichzeitig drängte ihn dieses göttliche Feuer zum „Verständnis für die Not der anderen“. Er vergaß darüber nicht, dass sein Leben ein ständiger Kampf gegen den Fürst der Finsternis war, doch vertraute er auf das Versprechen des Herrn: „Ich werde dir beistehen und nicht zulassen, dass er Macht über dich gewinnt!“

 Am meisten wurde seine Nächstenliebe dadurch offenbar, dass mehr als fünfzig Jahre hindurch unzählige Menschen zu seinen Gottesdiensten kamen, seinen Beichtstuhl aufsuchten und ihn um Rat und Trost für die geistigen Söhne und Töchter baten.

 Am 23. September 1968, nachdem sein guter Kampf beendet war, ging P. Pio, um von seinem „geliebten Jesus“ den versprochenen Lohn zu empfangen. Seine Beerdigung fand weltweite Resonanz. Die sterblichen Überreste ruhen in der Krypta der Kirche S. Maria delle Grazie in San Giovanni Rotondo, Italien.

 Am 16. Juni 2002 wurde Pio von Petrelcina von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen, der ihn am 2. Mai 1999 seliggesprochen hatte.
 

Italienisch

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 5