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Heilige

Andreas Resch: Michael Febres Cordero

Andreas Resch: Michael Febres Cordero

Michael Febres CorderoMICHAEL FEBRES CORDERO
(FRANZISKUS)

(1854 – 1910)

PROFESSBRUDER
DES INSTITUTS DER
CHRISTLICHEN SCHULBRÜDER

Heiligsprechung: 21. Oktober 1984
Fest: 9. Februar

Der heilige Bruder MICHAEL FEBRES CORDERO wurde am 7. November 1854 als Sohn von Francisco Febres Cordero und Anna Muñoz Cardeña, die in gut situierten Verhältnissen lebten, in Cuenca, Ecuador, geboren und eine Woche später in der Kathedrale auf den Namen Franziskus getauft. Seine Kindheit war durch eine Missbildung der Füße belastet, die ihn gewissermaßen das ganze Leben hindurch begleitete. Nach einer Grundausbildung im Schoß der Familie wurde er am 4. Mai 1863 in die kurz zuvor von Mitgliedern der Christlichen Schulbrüder eröffnete Schule eingeschrieben.  Die Christlichen Schulbrüder, die 10 Jahre vorher auf Einladung des Präsidenten von Ecuador, Garcia Moreno, aus Frankreich gekommen waren, teilten sich in drei Gruppen und begannen mit ihrer Arbeit in Quito, Cuenca und Guyaquil. Bei Eröffnung der Schule in Cuenca war Franziskus einer der ersten Schüler und zeichnete sich durch lebhafte Intelligenz sowie kontinuierlichen Eifer aus. Am 24. Dezember 1866 empfing er die Erstkommunion. Schon damals spürte er zunehmend die Berufung zum Ordensleben. Mit ca. 14 Jahren reifte die Entscheidung zum Eintritt in das Institut der Schulbrüder, weil dieses genau seinen Idealen eines Apostolats entsprach. Er ersuchte die Eltern um Erlaubnis, das Noviziat beginnen zu dürfen. Der Vater sträubte sich, er wollte, dass Franziskus Priester werde. Man schickte ihn auf das Seminar, wo er jedoch nur drei Monate blieb. Es war dies nicht seine Berufung. Die Mutter unterschrieb schließlich die Genehmigung zum Eintritt in das Noviziat.  

Am 24. März 1868, dem Vorabend des Festes Maria Verkündigung, nahm Franziskus das Ordenskleid und den Namen Bruder Michael an. Mit der Einkleidung hatte der Kampf um seine Berufung jedoch noch kein Ende erreicht, denn der Vater, der die Entscheidung seiner Frau zwar akzeptierte, schrieb seinem Sohn fünf Jahre hindurch keine einzige Zeile. Dieser wurde nach Beendigung des Noviziats 1869 nach Quito versetzt, um das schulische und katechetische Apostolat zu beginnen. Gerade einmal 15 Jahre alt, zeigte er schon beachtliche didaktische Fähigkeiten und großen seelsorglichen Einsatz als begnadeter Erzieher. Am 8. Dezember 1872 legte er die einfachen Gelübde ab, am 8. Dezember 1878 die dreijährigen und am 8. Dezember 1882 die ewigen Gelübde.  

Angesichts der Probleme mangels entsprechender Unterrichtsvorlagen für Lehrer und Schüler erstellte er – obwohl noch blutjung – neben seiner Lehrtätigkeit auch Grammatiken und Handbücher, welche die Regierung an sämtliche Schulen Ecuadors verteilen ließ. Zudem wurde Febres Cordero, kaum zwanzigjährig, zum Spanischunterricht für die jungen Kadetten an die Militärschule berufen und in das Professorenkollegium aufgenommen, das mit den prominentesten Namen der Kulturszene Ecuadors besetzt war. 1888 entsandte man ihn aus Anlass der Seligsprechung des Gründers Johann Baptist de La Salle als Vertreter der Schulbrüder Ecuadors nach Rom.  

Im Verlauf der Jahre gab Bruder Michael auch Gedichtsammlungen und literaturwissenschaftliche Werke heraus, was ihm 1892 die Ernennung zum Mitglied der Akademie von Ecuador (10 Mitglieder) einbrachte, die der Königlichen Akademie von Madrid entspricht. 1900 wurde er mit den Palmen der Akadémie Française ausgezeichnet, gefolgt von der Ernennung zum korrespondierenden Mitglied der Akademie für Geschichte Venezuelas. Neben dieser literarischen Arbeit erstellte er auch Katechismen für Kinder und verfasste Werke über moralische Bildung und solche religiösen Inhalts, wie die Historia Sagrada und Vida de Jesucristo.  Die Zeichen hoher Wertschätzung im kulturellen Bereich hatten keinerlei Auswirkung auf seine Schlichtheit und sein Schulapostolat. Seine tägliche Arbeit konzentrierte sich vielmehr auf verschiedene Aufgaben innerhalb des Instituts. So wurde er 1901 zum Direktor des Noviziats ernannt und 1903 zum Oberen des Hauses von Quito mit 22 Mitbrüdern und über 1000 Schülern.  

Die gestiegene Verantwortung bedeutete jedoch keineswegs einen Einschnitt in seine Arbeit als Schriftsteller, Übersetzer und Dichter; noch weniger beeinträchtigte sie seinen unmittelbaren Einsatz in der Katechese. So behielt er sich 26 Jahre lang – zur ganz persönlichen Freude – die Vorbereitung der Erstkommunikanten vor. Gleichzeitig widmete er sich der Ausarbeitung von Werken zur Katechese und zur moralischen und kulturellen Bildung der Jugend, die große Verbreitung fanden.  

Die auf diese Weise gewonnene große didaktische Erfahrung lenkte die Aufmerksamkeit der höheren Obrigkeit auf ihn und brachte eine Ausweitung seines Arbeitsfeldes mit sich. Als 1904 in Frankreich, aufgrund der feindlichen Gesetze religiösen Kongregationen gegenüber, viele Brüder in ihren Aufgaben behindert wurden und beschlossen, vor allem nach Spanien und in die Länder Lateinamerikas auszuwandern, veranlasste dies die Oberen, Bruder Michael angesichts der geringen Spanischkenntnisse der Neuankömmlinge nach Europa zu schicken, damit er Texte für ein rasches Erlernen der spanischen Sprache vorbereite.  

Nach dreimonatiger Überfahrt traf er am 3. April 1907 in Le Havre ein und begab sich nach Paris, wo er mit Feuereifer seine neue Arbeit aufnahm. Im Juli desselben Jahres ging er nach Lembecq-lez-Hal in der Nähe von Brüssel, wohin infolge der Vertreibung der Brüder aus Frankreich der Sitz des Generalatshauses verlegt wurde. Die Arbeit ging unvermindert weiter, doch die Gesundheit von Bruder Michael, die nie besonders robust gewesen war, litt sehr unter dem feuchten und nebelreichen Klima. Daher versetzten ihn die Oberen nach Premiá de Mar in der Nähe von Barcelona, wo sich ein internationales Bildungszentrum befand und das mediterrane Klima erträglicher war.  

Während der gewaltsamen Erhebung Kataloniens 1909 blieb auch Bruder Michael nicht unbehelligt von den sich überstürzenden Ereignissen. Brüder und Jugendliche in der Ausbildung, die nach Barcelona gebracht wurden, fanden zunächst in den Hafendocks, dann im Kolleg „Bonanova“ Zuflucht. Bruder Michael trug in dieser schwierigen Situation die konsekrierten Hostien aus der Kapelle von Premiá bei sich.  Nach Ende der Revolution kehrten die Brüder wieder nach Premiá de Mar zurück, doch verschlechterte sich Bruder Michaels Gesundheit zusehends. Ende Januar 1910 bekam er eine Lungenentzündung. Der Organismus reagierte nicht und nach drei Tagen der Agonie verschied Bruder Michael nach Empfang der Sakramente am 9. Februar im Frieden des Herrn.  

Die Nachricht von seinem Tod rief Bestürzung und Trauer hervor. In Ecuador wurde Staatstrauer ausgerufen. An der Akademie von Ecuador bestätigte Carlos Tobar: „Der Tod von Bruder Michael stellt für sein Institut, seine Heimat Ecuador und für die hispano-amerikanische Literaturwelt, deren erfolgreicher und eifriger Baumeister er war, einen großen Verlust dar.“ Schon bald schrieb man seiner Fürsprache außergewöhnliche Gnadenerweise zu.  

Der Ruf der Heiligkeit, der die Person Bruder Michaels umgibt, erklärt sich in erster Linie aus seinem unvergleichlichen Apostolat der Katechese. All die anderen weltlichen Qualitäten, mochten sie auch noch so hervorstechen, waren für ihn nichts anderes als der Rahmen und eine Stütze für seine religiöse Lehrtätigkeit, was bei seinen Hörern unübersehbare Spuren hinterließ. In seinem Bemühen, den Kindern und Jugendlichen die christliche Botschaft weiterzugeben, erwies sich Bruder Michael als mit ungewöhnlichen, ja geradezu seltenen Talenten gesegnet. Einer seiner kleinen Hörer schilderte den heiligen Lehrmeister später mit folgenden Worten: „Wenn das Zeichen für den Unterrichtsbeginn des hl. Bruders Michael gegeben wurde, mit welch unbeschreiblicher Freude kamen wir da angerannt! ... Er erklärte uns die großen und einfachen Dinge Gottes ... In der Nähe dieses begnadeten Katecheten konnte man gar nicht anders, als sich der Sünde zu versagen. Ebenso musste man, nachdem man ihn gehört hatte, einfach die Liebe zum Guten verspüren, denn von ihm gingen eine Heiligkeit und Reinheit aus, die alles überstrahlte.“  

Außer mit der täglichen Katechese befasste sich Bruder Michael mit der Marianischen Kongregation und der Kongregation des Allerheiligsten Herzens Jesu, die beide bereits seit geraumer Zeit in der La Sall’schen Einrichtung vertreten waren. Diese Spiritualität hallt auch in seinen Schriften wider, wo da steht: „Das Herz ist reich, wenn es zufrieden ist, und wird es sein, bis Gott es zum Objekt seiner Wünsche erhebt. Das Gebet ist wie eine kraftvolle Quelle des Lichts, das uns in seiner wahren Natur den Glanz der Tugend, die Widerwärtigkeit der Sünde, die Eitelkeit des Vergänglichen, den Wert des Ewigen enthüllt. Die christliche Schule ist die erste Station im menschlichen Leben, das Portal jenes wunderbaren Tempels, in den der Glaube die Vernunft einführen soll, um sie zu jenem Heiligtum zu führen, in dem Gott wohnt. Der christliche Erzieher muss erhebend sein. Kinder glauben, dass gottgeweihte Personen keine Fehler haben dürfen... Ich werde die Klasse ebenso bedächtig betreten, mit denselben Empfindungen, wie ich eine Kirche betrete – eingedenk dessen, dass dort Gott ist und dass die Schüler der Tempel des Heiligen Geistes sind, den ich zu respektieren habe. Auch wenn ich noch einmal zwanzig Jahre dieselben Dinge unterrichten müsste, würde ich mich bemühen, dies immer vollkommener zu tun. Man muss die jungen Menschen häufig an ihre Pflicht erinnern, alle anderen zu respektieren. Ein hochtrabender, geringschätziger Ton kündet nicht nur von einer ungebildeten Person, sondern auch von einem sehr schlechten Christen.“  

Am 5. Februar 1937 wurden die sterblichen Überreste von Bruder Michael nach Quito überführt und dort von seinen Landsleuten im Triumph empfangen. Sie ruhen heute im Heiligtum Hno. Miguel, Ave. Mariscal Antonio José de Sucre, Apartado 17-02-5319 –

La Magdalena – Quito, Ecuador.  Am 30. Oktober 1977 wurde Michael Febres Cordero von Papst Paul VI. seliggesprochen und am 21. Oktober 1984 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen.

 

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   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Band 5