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Heilige

Andreas Resch: Alois Guanella

Andreas Resch: Alois Guanella

Alois GuanellaALOIS GUANELLA

(1842 – 1915)

GRÜNDER
DER KONGREGATION DER
TÖCHTER MARIENS
VON DER VORSEHUNG
UND DER
DIENER DER NÄCHSTENLIEBE
(Guanellianer)

Heiligsprechung: 23. Oktober 2011  
Fest: 24. Oktober

Der hl. Alois Guanella wurde am 19. Dezember 1842 in Fraciscio di Campodolcino im Val San Giacomo, Sondrio, Italien, als neuntes von 13 Kindern des Lorenzo und der Maria (geb. Bianchi) Guanella geboren. Dort, am Ende des malerischen Veltlintales, unmittelbar vor dem Splügenpass, wuchs er in einer tiefgläubigen Familie auf. Der Vater war 24 Jahre lang Bürgermeister von Campodolcino.

Von den 13 Kindern wurden zwei Priester, einer davon ein Heiliger und die Schwester Katharina eine Selige. In dem kleinen, armseligen Bergdorf gab es aufgrund der Heirat unter engen Verwandten nahezu in jeder Familie Behinderte, denen keiner helfen konnte und die völlig vernachlässigt wurden. Die vielen geistig und psychisch Kranken mussten nicht selten ein Leben lang im Verborgenen dahinvegetieren.

 Schon als Kind führte Alois seine Ziegen auf die Alm von Gualdera, stets begleitet von seiner Schwester Katharina. Im Alter von sechs Jahren glaubte er eines Tages, als er die Tiere auf die Weide führte, einen alten, gebeugten Greis zu sehen, der die Hände ausstreckte und um etwas zu essen bat. Alois zögerte, dem Bettler etwas zu geben. Gleich darauf verschwand der Greis und Alois war sehr traurig über seine Lieblosigkeit.

 Am Tag der Erstkommunion trat das Ganze wieder in sein Bewusstsein. Er begab sich nochmals an besagte Stelle und sah dort viele Kinder, Alte und Kranke und in einer kleinen Nische eine liebenswürdige Dame, die auf eine Reihe von Bedürftigen hinwies und sagte: „Alois, das ist deine Mission und dein Weg!“ War dies alles nur Einbildung oder ein klares Zeichen von oben?

 Zunehmend verspürte Alois die Berufung, Priester zu werden. Mit 12 Jahren erhielt er einen Gratisplatz im Kolleg Gallio in Como und setzte dann von 1854 –1866 seine Studien im dortigen Diözesanseminar fort. Seine kulturelle und theologische Ausbildung entsprach jener der Seminare in der Lombardei, lange Zeit unter Aufsicht der österreichischen Regierung. In den Ferien kümmerte er sich um Kinder, Alte und Kranke. Während seines Studiums schloss er Freundschaft mit dem Bischof von Foggia, Bernardino Frascolla, der in Como in Haft war und anschließend im Seminar unter Hausarrest stand (1864 –1866). Guanella lernte dabei die Feindseligkeit der Unionsbewegung gegenüber der Kirche kennen. Am 26. Mai 1866 wurde er dann von Bischof Frascolla zum Priester geweiht.

 Nach der Weihe arbeitete Guanella mit großem Eifer als Seelsorger in Prosto (1866) und Savogno (1867–1875) in der Region Valchiavenna, wo er verschiedentlich zum Einsatz kam: als Priester und Tröster, Arbeiter und Ingenieur, Lehrer und Soziologe, vor allem aber als ein Freund der dort lebenden Menschen. In diesen turbulenten Jahren des Antiklerikalismus hatte er viele Probleme mit den Behörden. Wenn er sich ungerecht gemaßregelt fühlte oder wenn sich die staatlichen Behörden in seine seelsorgliche Arbeit einmischten, scheute er sich nicht, Kampfgeist zu beweisen, sodass er bald zu den gefährlichen Personen gezählt wurde, insbesondere von dem Moment an, als er eine Verteidigungsschrift verfasste. An einsamen Abenden betete er daher, dass der Herr ihm den rechten Weg und die rechte Zeit seiner priesterlichen Tätigkeit zeigen möge.

 Um für die Zukunft besser gerüstet zu sein, suchte Guanella mit Erlaubnis des Bischofs 1873 Don Bosco in Turin auf, der gerade mit der Gründung seiner Kongregation beschäftigt war. Dieser schätzte ihn und wollte ihn gleich mit der ersten Gruppe von Missionaren nach Amerika schicken. Guanella aber blieb drei Jahre an seiner Seite und trat in die Gemeinschaft der Salesianer ein. Nach Ende der zeitlichen Profess bat er Don Bosco jedoch, ihn von seinen Gelübden wieder zu entbinden, weil ihn sein Bischof nach Como zurückberufen hatte. Während seines Aufenthalts bei Don Bosco lernte er auch das Werk des Cottolengo in Turin für Behinderte aller Art, Alte und Kranke kennen. Genau an diesem Punkt wurde Guanella klar, dass der Herr ihn im Dienst dieser Menschen haben wollte.

 Nach seiner Rückkehr in die Diözese wurde Guanella in die Pfarre Traona (1878 –1881) im Veltlin versetzt, wo er bald darauf ein Kolleg für arme Mädchen errichtete. Aber auch hier wurde er angegriffen und man befahl ihm, das Kolleg zu schließen. Guanella stellte sich nun in heroischem Gehorsam in den Dienst des Bischofs, der ihn nach kurzer seelsorglicher Tätigkeit in Olmo nach Pianello Lario bei Como schickte, wo er von 1881 bis 1890 in vielfältiger Tätigkeit segensreich wirkte.

 In Pianello hatte er unter anderem auch das 1871 von seinem Vorgänger Carlo Coppini gegründete Hospiz vom Heiligsten Herzen Jesu für Waisenkinder, alte und verlassene Menschen zu betreuen. Das Hospiz wurde zunächst von Marcellina Bosatta und zwei Gefährtinnen geleitet, die sich unter der Bezeichnung „Ursulinen“ zu einer „Frommen Gemeinschaft“ (Pia Unio) zusammengeschlossen hatten. 1878 trat der Gemeinschaft auch Marcellinas Schwester, Dina Bosatta, bei, die 1991 seliggesprochen wurde. Am 28. Juni 1878 legten die vier zum ersten Mal die drei Ordensgelübde ab. Dina nahm dabei den Namen Klara an. Die vier Schwestern arbeiteten im Hospiz in großer Armut und unter vielen Opfern, wobei Klara sieben Jahre lang mit bewundernswertem Eifer die ihr übertragenen vielfältigen Aufgaben, zunächst unter Anleitung von Don Coppini und anschließend von Don Alois Guanella, verrichtete.

Töchter Mariens von der Vorsehung Der seelsorgliche Dienst von Guanella in Pianello begann am 11. November 1881. Er machte sich unter anderem gleich daran, die Situation des oben genannten Hospizes materiell und spirituell zu stärken. Dabei gelang es ihm, die kleine Schwesterngemeinschaft von Don Coppini in eine Kongregation umzuwandeln, die er Töchter Mariens von der Vorsehung nannte. 1886 errichtete er unter Mitarbeit von Marcellina und Klara Bosatta in Como das „Haus der Göttlichen Vorsehung“. Diese Stätte, in deren Zentrum er das Heiligtum „Sacro Cuore“ errichtete, erlebte einen raschen Aufschwung. Die Nachfrage war so groß, dass Guanella 1890 die Zelte in Pianello abbrach und mit einigen Mädchen und den ersten Mitarbeiterinnen die Herausforderung der „Göttlichen Vorsehung“ annahm. Ohne Geld und besondere Pläne, lediglich gestärkt durch ein unerschütterliches Vertrauen in Gott und die Schutzpatronin seines Werkes, die Mutter von der Göttlichen Vorsehung, entfachte er die Flamme der Nächstenliebe.

 Das Werk dehnte sich rasch über Como hinaus in die Provinzen Mailand (1891), Pavia, Sondrio und Rovigo aus. Zur Betreuung der männlichen Jugend gründete Guanella die Brüder- und PriestergemeinschaftDiener der Nächstenliebe, im Volksmund „Guanellianer“ genannt. 1894 hatte er in Pietro Moroni den ersten Priester, geweiht von Kardinal Andreas Ferrari. 1895 wurden weitere für ihn geweiht. In den späteren Jahren empfing eine Gruppe von 24 jungen Männern von Msgr. Poli,  Bischof von Adria Rovigo, die Priesterweihe.

 1903 bestieg Pius X. den Papstthron. Bei ihm genoss Guanella Privilegien. Er eröffnete in Rom ein Institut für Behinderte und baute im Auftrag des Papstes eine Kirche zu Ehren des hl. Josef, des Patrons der Sterbenden. Zugleich gründete er die „Fraternitas zu Ehren des hl. Josef“, die der Papst 1913 autorisierte. Das war die Geburtsstunde der Josefsbruderschaft. Als die Periode der zeitlichen Gelübde  verstrichen war, legten am 24. und 28. März 1908 17 Priester zusammen mit dem Gründer die einfachen ewigen Gelübde ab. Seither wird der 24. März 1908 als Gründungsdatum geführt. Zum Abschluss einer apostolischen Visitation wurde am 15. August 1912 das Decretum laudis erlassen, mit dem der Papst die Gemeinschaft offiziell guthieß. Am 10. Juli 1928 erfolgte die zeitliche, am 16. Juli 1935 die endgültige Approbation der Regel.

 Die Spiritualität Guanellas war getragen von der biblischen Botschaft der Vaterschaft Gottes. Gott ist Vater aller, er vergisst seine Söhne nicht und schiebt sie nicht zur Seite. „Seit meiner Kindheit suche ich stets die Harmonie zwischen Denken, Glauben und Handeln.“ Guanellas Begegnung mit Gottvater als Priester war Teilnahme an Seiner unendlichen Liebe, Seiner schöpferischen Allmacht, Seiner Vorsehung, Seiner inkarnierten und erlösenden Barmherzigkeit.

 Zu erwähnen sind ferner auch Guanellas Schriften Andiamo al Padre (Gehen wir zum Vater, 1880), Il fondamento (Das Fundament, 1885) sowie Regolamento dei Servi della Carità (Regel der Diener der Caritas, 1905).

 Guanella starb nach einem arbeitsreichen Leben am 24. Oktober 1915 in Como im Ruf der Heiligkeit. Seine Grabstätte befindet sich im Herz Jesu-Heiligtum in Como, via T. Grossi, 18, dem Mutterhaus des Werkes Guanella.

 Am 25. Oktober 1964 wurde Alois Guanella von Papst Paul VI. seliggesprochen. Papst  Benedikt XVI. sprach ihn am 23. Oktober 2011 heilig.

 Guanellas Ordensgemeinschaften, Die Töchter Mariens von der Vorsehung und die Diener der Nächstenliebe, arbeiten heute auf der ganzen Welt und betreuen über eine Million Bedürftige aller Art, stets angespornt vom Motto des Gründers: Gebt Brot und Paradies! Vergesst aber nicht, dass ihr alles durch Gebete und Leiden erreichen könnt, wenn ihr euch mein Motto zu Herzen nehmt: In Omnibus Caritas! Die Nächstenliebe soll eure begleitende Schwester sein.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Benedikt