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Heilige

Andreas Resch: Agnes von Böhmen

Andreas Resch: Agnes von Böhmen

AGNES VON BÖHMEN

(1211-1282)

NONNE
DES ORDENS VON DER HL. KLARA
(KLARISSEN)

Heiligsprechung: 12. November 1989
Fest: 2. März

Die heilige AGNES VON BÖHMEN, Tochter von König Ottokar I. Přemysl und Königin Konstanze, der Schwester des ungarischen Königs Andreas II., wurde 1211 in Prag geboren. Mütterlicherseits war sie eine Kusine der hl. Elisabeth. Schon im Kindesalter wurde sie aus politischem Kalkül und wegen dynastischer Vorteile in Heiratspläne mit einbezogen, die unabhängig von ihrem Wollen ausgehandelt wurden.

 Im Alter von drei Jahren kam Agnes in die Obhut der hl. Hedwig, Herzogin von Schlesien, die sie in das Zisterzienserinnenkloster von Trzebnica aufnahm und in den ersten Glaubenswahrheiten unterwies. Mit sechs Jahren kehrte Agnes nach Prag zurück, um bei den Prämonstratenserinnen von Doksany eine standesgemäße Erziehung zu erhalten.
 1220 wurde Agnes, nachdem sie Heinrich VII., dem Sohn Kaiser Friedrichs II., zur Frau versprochen worden war, an den Hof des Herzogs von Österreich nach Wien gebracht, wo sie bis 1225 blieb, um die Gepflogenheiten des höfischen Lebens kennenzulernen und sich nach dem Willen des Vaters mit Heinrich VII. zu verloben. Nach Lösung des Ehevertrages kehrte sie nach Prag zurück, wo sie sich einem intensiven Gebetsleben und karitativen Werken widmete; nach reiflicher Überlegung beschloss sie, ihre Jungfräulichkeit Gott zu weihen.
 Am Hof von Prag gingen weitere Heiratsanträge für Agnes ein, so von Heinrich III., dem König von England, der bald darauf starb, oder von Friedrich II., dessen Gesuch beim ersten Mal, 1228, König Ottokar und beim zweiten Mal, 1231, König Wenzel vorgelegt wurde. Papst Gregor IX., der Agnes’ Vorhaben würdigte und von ihr um seinen Schutz gebeten worden war, intervenierte zu ihren Gunsten; von da an erlangte Agnes die immerwährende Freiheit und die Freude, sich Gott weihen zu dürfen.

 Die wechselvollen Ereignisse in der europäischen Politik und vor allem der Tod des Vaters 1230 ließen jedoch sämtliche Projekte scheitern. In diesen Jahren war Agnes keineswegs ein passives Instrument in den Händen ihres Vaters und ihres Bruders Wenzel geblieben, sondern hatte Fähigkeiten bewiesen und nicht alltägliche Entscheidungen gefällt. Ihr Beschluss, in den Ordensstand zu treten, wurde endgültig bei der Begegnung mit den Minderbrüdern anlässlich ihrer ersten Mission in Böhmen. Agnes kümmerte sich um deren Unterbringung und gründete 1232 /33 in Prag das Spital des hl. Franziskus sowie den Ritterorden der Kreuzherren mit dem Roten Stern, die dieses leiten sollten. Gleichzeitig legte sie den Grundstein zum Bau des Klosters des hl. Franziskus für die „Armen Frauen bei San Damiano oder Damianitinnen“.

 Die ersten fünf Nonnen, die Klara nachfolgten, erreichten Prag 1233 nicht von Assisi, sondern von Trient aus, vielleicht weil die geographische und sprachliche Nähe eine Eingliederung in Böhmen erleichterte. Im November desselben Jahres traten die ersten sieben böhmischen Novizinnen in das neue Kloster ein. Agnes hingegen wartete noch sechs Monate, bis zum Pfingstfest 1234, an dem sie in einer außergewöhnlich feierlichen Zeremonie und in Gegenwart von sieben Bischöfen sowie der gesamten Königsfamilie im Kloster San Damiano in Assisi das Kleid der Kommunität der hl. Klara nahm. Im ersten Brief Klaras an Agnes von Prag vom 11. Juni 1234 ist zu lesen:
 „Als ich vom hochlöblichen Ruf Eurer heiligen Bekehrung und von Eurem heiligmäßigen Leben Kunde erlangte, die nicht nur bis zu mir vordrang, sondern sich glorreich in beinahe alle Welt verbreitete, freute ich mich sehr im Herrn und jubelte; nicht nur ich kann darüber frohlocken, sondern all jene, die im Dienst an Jesus Christus stehen oder danach trachten.

 Von daher kommt es, dass Ihr – wenngleich Ihr, mehr als alle andern, prachtvolle Feste, Ehren und Würden der Welt hättet genießen können, indem Ihr in Glanz und Gloria völlig rechtmäßig den berühmten Kaiser hättet ehelichen können, wie dies Eurer und Seiner Exzellenz entsprochen hätte – durch das Hintansetzen all dessen mit ganzer Seele und dem ganzen Schwung Eures Herzens vielmehr die heiligste Armut und die Not des Körpers wähltet, indem ihr Euch einen Bräutigam von viel edlerer Herkunft auserkoren habt, den Herrn Jesus Christus nämlich, der Eure Jungfräulichkeit stets behüten wird, auf dass sie makellos und unberührt bleibe.“

 Agnes legte die feierlichen Gelübde der Keuschheit, der Armut und des Gehorsam ab, im vollen Bewusstsein der ewigen Werte dieser evangelischen Räte, und lebte diese während ihres ganzen irdischen Daseins mit aufrichtiger Treue. Die Jungfräulichkeit um des Himmelreiches willen blieb stets das Grundelement ihrer Spiritualität, indem sie ihre tiefsten Gefühle in die Weihe an die ungeteilte bräutliche Liebe zu Christus mit einfließen ließ. Der Geist der Armut, der sie bereits dazu veranlasst hatte, ihren Besitz an die Armen zu verteilen, bewegte sie zum völligen Verzicht auf das Eigentum irdischer Güter, um dem armen Christus im Orden der „Armen Frauen“ nachzufolgen. Sie erreichte zudem, dass man in ihrem Kloster auch die kollektive Loslösung von den Gütern praktizierte. Der Geist des Gehorsams führte sie zu einer ständigen Anpassung ihres Willens an den Willen Gottes, den sie im Evangelium des Herrn und in der Lebensregel fand, die ihr von der Kirche gegeben wurde. Gemeinsam mit Klara bemühte sie sich um die Approbation einer neuen und eigenen Regel, die sie nach hoffnungsvollem Warten erhielt und in absoluter Treue befolgte.

 Nachdem Agnes bald nach der Profess zur Äbtissin des Klosters ernannt wurde, blieb ihr dieses Amt ein Leben lang aufgebürdet, und sie erfüllte es mit Demut und Liebe, mit Weisheit und Eifer, wobei sie sich immer als „ältere Schwester“ betrachtete. Sie führte die Ordensgemeinschaft mit zuvorkommender geschwisterlicher Liebe und durch das Beispiel ihres Lebens, das ausschließlich der Kontemplation und dem Gebet gewidmet war.
 Als sich die Nachricht von ihrem Klostereintritt in ganz Europa verbreitete, wuchs die Bewunderung für Agnes mit den Jahren bei jedem, der Zeuge ihrer Tugenden wurde, wie die biografischen Erinnerungen einhellig zeigen. Gregor IX. und Innozenz IV. lobten ihr Lebenszeugnis auf der Grundlage des Evangeliums und empfahlen dieses Christen zur Nachahmung. Klara von Assisi schrieb vier Briefe an „die herausragende und ehrwürdige Jungfrau Agnes“. Im zweiten spricht sie ihr Trost zu und empfiehlt sich ihren Gebeten:
 „Wenn du mit Ihm leidest, wirst Du mit Ihm herrschen; indem du dich tröstest, wirst du dich mit Ihm freuen; wenn du mit Ihm im Kreuz der Bedrängnis stirbst, wirst du mit Ihm in der Herrlichkeit der Heiligen die himmlischen Wohnungen besitzen und dein Name wird im Buch des Lebens festgeschrieben, um unter den Menschen zu leuchten.

 Daher wirst du von Ewigkeit zu Ewigkeit teilhaben an der Herrlichkeit des himmlischen Reiches im Tausch für die irdischen und vergänglichen Dinge, an den himmlischen Gütern im Tausch für die vergänglichen Güter, und du wirst von Ewigkeit zu Ewigkeit leben.

 Lebe wohl, teuerste Schwester und Frau, für den Herrn, deinen Bräutigam; und denk’ daran, mich und meine Schwestern in deinen frommen Gebeten zu empfehlen, uns, die wir uns an den Gütern des Herrn erfreuen, der durch Seine Gnade in dir waltet. Empfehle uns auch auf das Wärmste deinen Mitschwestern.“

 Vor allem wurde Agnes’ innigliche Liebe zu Gott und zum Nächsten bewundert. „Die lebendige Flamme der göttlichen Liebe, die auf dem Altare des Herzens von Agnes beständig loderte, trieb sie durch den unerschöpflichen Glauben so hoch, dass sie unentwegt ihren Geliebten suchte.“ Dies drückte sich vor allem im Eifer aus, mit dem sie das Mysterium der Eucharistie anbetete, und im Mysterium vom Kreuz des Herrn wie auch in der kindlichen Liebe zur Seligsten Jungfrau Maria in der Betrachtung des Geheimnisses der Verkündigung.

 Agnes’ Liebe zum Nächsten währte auch nach der Gründung eines Spitals und hielt ihr großzügiges Herz für jede Form christlichen Beistandes offen. „Sie bewies all jenen ihre wohltätige Liebe, die zu ihr kamen, um Hilfe von Gott und den Menschen zu erbitten.“ Sie liebte die Kirche, indem sie für ihre Kinder von Gottes Güte die Gaben der Beharrlichkeit im Glauben und der christlichen Solidarität erflehte. Sie wurde zur Mitarbeiterin der römischen Päpste, die sie für das Wohlergehen der Kirche um ihre Fürsprache und Vermittlung bei den böhmischen Königen, ihren Verwandten, ersuchten. Sie liebte das Vaterland, dem sie sich durch karitative Werke individueller wie sozialer Art und durch die Weisheit ihrer Ratschläge verdienstlich machte, mit denen sie stets darauf bedacht war, Konflikte zu vermeiden und die Treue zur christlichen Religion der Väter zu fördern.

 In den letzten Jahren ihres Lebens ertrug Agnes mit unerschütterlicher Geduld all die Schmerzen, die sie und die königliche Familie, das Kloster und die Heimat aufgrund eines verhängnisvollen Konflikts und der anschließenden Anarchie, aber auch wegen der über die Region hereinbrechenden Naturkatastrophen und der nachfolgenden Hungersnot zu erleiden hatten.

 In der Fastenzeit des Jahres 1282 erkrankte sie schwer und als sie den Tod nahen spürte, ermahnte sie ihre Mitschwestern, in der Treue zum Geist des Evangeliums und zur Kirche auszuharren. Sie starb am 2. März 1282 in ihrem Kloster im Ruf der Heiligkeit. Ihr Grab befindet sich in der St. Franziskus-Kirche in Prag.

 Der Kult, der nach ihrem Tod die Jahrhunderte hindurch andauerte, fand seine apostolische Anerkennung mit dem von Pius IX. am 28. November 1874 approbierten Dekret; am 12. November 1989 wurde Agnes von Böhmen von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen.
 

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