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IGW - INSTITUT FÜR GRENZGEBIETE DER WISSENSCHAFT - RESCH VERLAG

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2017

ETHICA 25. Jg. 2017

ETHICA Wissenschaft und Verantwortung

25. Jahrgang 2017 Innsbruck: Resch

EDITORIAL

Leitartikel

Ethica 2017-1
Friesen, Hans: Architekturtheorie als Architekturethik zwischen angewandter und allgemeiner Ethik 13
Münk, Hans J.: Fische. Vorstellung eines ungewöhnlichen Kommissionsberichts zum ethischen Umgang mit Fischen 31
Ropohl, Günter: Verblendung der Ökonomik 49
Schmitt, Hanspeter: Theologische Ethik und Öffentlichkeit 67
 

Bücher und Schriften
Günter Ropohl: Das Wesen der Wirtschaft und das Unwesen der Ökonomen (A. Resch) 83
Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften: Sozialethik der Pflege und Pflegepolitik (R. Bonfranchi) 84
Dieter Witschen: Ethischer Pluralismus. Grundarten – Differenzierungen – Umgangsweisen (L. Ohly) 85
Hans Wedler: Suizid kontrovers. Wahrnehmungen in Medizin und Gesellschaft (A. Resch) 87
Christiane zur Nieden: Sterbefasten. Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (Chr. Rehmann-Sutter) 88
Giovanni Maio: Den kranken Menschen verstehen. Für eine Medizin der Zuwendung (V. Schubert-Lehnhardt) 90
Johann Ulrich Schlegel: Der Terror und die Freiheit. Reaktion, Philosophie und die zurückgekehrte Religion (J. Koller) 90
Michael Rosenberger / Walter Schaupp (Hg.): Ein Pakt mit dem Bösen? Die moraltheologische Lehre der „cooperatio ad malum“ und ihre Bedeutung heute (J. Maaß) 91
Karsten Weber / Thomas Zoglauer: Verbesserte Menschen. Ethische und technikwissenschaftliche Überlegungen (R. Bonfranchi) 93
Elisa Klapheck (Hg.): Jüdische Positionen zur Sterbehilfe (V. Schubert-L.) 95
Heribert Niederschlag / Ingo Proft (Hg.): Moral und Moneten. Zu Fragen der Gerechtigkeit im Gesundheitssystem (J. Maaß) 95


ETHICA 2017/1

EDITORIAL

Schramm, Michael: Solidarität 3.0. Eine Herausforderung für das 21. Jahrhundert


LEITARTIKEL / Abstracts

FRIESEN, HANS: Architekturtheorie als Architekturethik zwischen angewandter und allgemeiner Ethik. ETHICA 25 (2017) 1, 13 – 29

Der Architekt, der in Stadt und Land unsere Lebensumwelt plant und gestaltet, kann dabei weder ausschließlich technologisch denken noch völlig unabhängig handeln. Vielmehr stehen seine Entwürfe und Handlungen immer auch in moralischer Beziehung zum Umfeld, d.h. zur Natur und zur Landschaft ebenso wie zur Stadt und zu den Menschen, die tagtäglich mit und im gebauten Raum leben und dadurch eine zweckmäßige menschliche Gruppenzugehörigkeit erhalten. Aber inwieweit wohnen der – um es mit einem Ausdruck von Hegel zu sagen – „Sinnliches in Sinniges“ erhebenden Architektur als solcher bereits ethische Implikationen inne?

Architekturethik
Architekturtheorie
Sozialphilosophie
Angewandte Ethik
Berufsethik

FRIESEN, Hans: Architectural theory as architectural ethics between applied and general ethics. ETHICA 25 (2017) 2, 13 – 29

For an architect who plans and designs the urban and rural areas around us it is not possible to think just in a technological or to act in a completely independent way. His designs and actions are rather in a moral relation to the environment, i.e. to nature and landscape as well as to a city/town or the people who daily live with and within the structured areas and thus have a kind of effective group affiliation. However, to what extent are there ethical implications inherent in architecture which “raises the sensual to the practical”, to speak with Hegel?

Applied ethics
architectural ethics
architectural theory
professional ethics
social philosophy


MÜNK, HANS J.: Fische. Vorstellung eines ungewöhnlichen Kommissionsberichts zum ethischen Umgang mit Fischen. ETHICA 25 (2017) 1, 31 – 47

Seit einigen Jahrzehnten stieg bzw. steigt die Zahl tierethischer Publikationen rasant an. Fischspezifische Themen spielten dabei allerdings eine ziemlich marginale Rolle. Auf diesem Hintergrund lässt es aufhorchen, wenn eine staatliche (außerparlamentarische) Ethikkommission dem „ethischen Umgang mit Fischen“ eine eigene Studie widmet. Vor rund zwei Jahren veröffentlichte die „Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Außerhumanbereich“ (EKAH) in Bern einen stattlichen Bericht zu dieser Thematik.
Im vorliegenden Artikel werden die Grundzüge des Dokuments in einer Zusammenfassung vorgestellt, d.h. es geht zunächst um die Erörterung des (kontroversen) empirischen Forschungstandes zur Frage der Empfindungsfähigkeit und zu kognitiven Leistungen bei Fischen. Sodann stehen Schwerpunkte einer ethischen Beurteilungsbasis und ethische Folgerungen in wichtigen Praxisbereichen (Fischfang, Aquakulturen, Therapie-Einsatz, Verwendung in Tierversuchen) im Vordergrund. Abschließend folgen eine Gesamtwürdigung und zwei kritische Anfragen.

Aquakultur
Empfindungsfähigkeit /Fische
Forschung /Fische
Fisch
Fischfang
Tierethik
– Biozentrik
– Pathozentrik
Tierversuch

MÜNK, HANS: Fish. Presentation of an unusual Committee Report on the ethical treatment of fish. ETHICA 25 (2017) 1, 31 – 47

Since a few decades the number of publications on animal ethics has been growing fast. However, topics that specifically dealt with fish played only a marginal role. Thus, it was truly amazing that a governmental (extra-parliamentary) ethics committee attended to the “ethical treatment of fish” in a separate study. Approximately two years ago the Federal Ethics Committee on Non-Human Biotechnology (ECNH) in Bern published a governmental report on the subject.
In this paper the essential features of the document are summarized. First of all the the (controversial) empirical state of research on the question of sentience and the cognitive abilities of fish is discussed. Then, the interest is focussed upon ethical evaluation and the respective consequences in practice (fishing, aquaculture, therapeutical use, animal experiments). The article is concluded by an overall assessment as well as two critical questions.

Animal ethics
– biocentrism
– pathocentrism
animal experiment
aquaculture / aquafarming
fish
fishing
research /fish
sentience /fish


ROPOHL, GÜNTER: Verblendungen der Ökonomik. ETHICA 25 (2017) 1, 49 – 65

In der Ökonomik ist eine herrschende Strömung lebendig, die nicht nur die Lehrangebote an den Hochschulen und das wissenschaftliche Gutachterwesen bestimmt, sondern auch die Wirtschaftspolitik und die öffentlichen Debatten. Dieser herrschenden Strömung werden schwerwiegende Einsei-
tigkeiten vorgeworfen, die der sozioökonomischen Wirklichkeit nicht gerecht werden. Die Verkürzungen und Verzerrungen werden auf eine disziplinäre Verengung zurückgeführt, die dem Ideal eines formalistischen Theoriengebäudes folgt. Darum sollte wissenschaftliche Reflexion ein umfassendes Verständnis der Wirtschaft zurückgewinnen, das sie in ihrer Einbettung in die Lebenszusammenhänge von Arbeit, Technik und Gesellschaft begreift.

Homo oeconomicus
Konflikte
Magie der Geldwerte
Modellakrobatik
Ökonomisierung des Lebens
Opfer der Spezialisierung
Vernachlässigung von Arbeit und Technik
Vorrang der Produktion
Wachstumsfetischismus


ROPOHL, GÜNTER: The blindness of economics. ETHICA 25 (2017) 1, 49 – 65

There is a trend in economics that not only dominates the teaching at the universities and scientific expert analyses but also economic policy and public debates. This trend is judged as being highly unbalanced which has a detrimental effect on socioeconomic reality. The reductions and distortions are put down to a disciplinary narrowing that follows the ideal of a formalistic framework of theories. This is why scientific reflection should regain a comprehensive understanding of economy which is embedded in the life contexts of work, technology and society.

Conflicts
economization of life
growth fetishism
homo oeconomicus
magic of monetary values
model acrobatics
neglect of work and technology
priority of production
victims of specialization


SCHMITT, HANSPETER: Theologische Ethik und Öffentlichkeit. ETHICA 25 (2017) 1, 67 – 81

Ausgehend von einer öffentlichen Veranstaltung, die zu einer konkreten medizinethischen Frage stattfand, wird der Öffentlichkeitsbezug der Theologischen Ethik reflektiert. Offenbar fehlt es ihr – wie auch verschiedenen kirchlichen Einrichtungen – in puncto Ethik und Moral nicht an Öffentlichkeit bzw. öffentlichem Interesse. Umso wichtiger und sachlich wie moralkommunikativ geboten ist es, dass die Theologische Ethik diese Relevanz nutzt, um an der Steigerung sozialer Diskursivität im Sinne „geöffneter“, sprich kommunikativ zugänglicher Öffentlichkeiten mitzuwirken. Das erfordert eine entsprechende Selbstgestaltung: Theologische Ethik benötigt eine eigene fachliche, kirchliche und gesellschaftliche Form und Öffentlichkeit, die rationalen, partizipativen, paritätischen und kritischen Standards genügt. Ihre auf dieser Basis möglichen Beiträge sind theologisch schon deshalb qualifiziert, sofern und weil sie human überzeugen. Zudem symbolisiert und bewirkt der biblisch grundgelegte Impetus christlicher Gottesrede und Gottespraxis Öffentlichkeit, die aus notorischer Ichbezogenheit bzw. Verschlossenheit befreit, jedoch ohne den notwendigen Schutz vor Verletzung durch Formen illegitimer Öffentlichkeit zu vernachlässigen.

Gottesrede
Öffentlichkeit
Rationalität
Theologische Ethik

SCHMITT, HANSPETER: Theological ethics and the public. ETHICA 25 (2017) 1, 67 – 81

Based on a public debate, in which a concrete medico-ethical question was discussed, the public relation of theological ethics is reflected. It seems that theological ethics and also various religious institutions neither lack publicness nor public interest as regards ethics and morality. Thus, it is all the more important and advisable from a practical as well as a morally informative standpoint that theological ethics makes use of this relevance in order to contribute to an increase in social discursivity in the sense of “open”, i.e. communicatively open publics. This requires some sort of self-shaping: Theological ethics is in need of an independent professional, religious and social form and public that satisfy rational, participative, critical as well as parity standards. This is why its possible contributions on this basis are theologically qualified, provided that and because they are convincing. Moreover, the impetus of divine speech and practice derived from the Bible symbolizes and effects publicness which helps to get out of habitual self-centredness or reticence, but without neglecting the necessary protection against violation by forms of illegitimate publicness.

Divine speech
publicness
rationality
theological ethics