IMAGO MUNDI

IGW - INSTITUT FÜR GRENZGEBIETE DER WISSENSCHAFT - RESCH VERLAG

HOME Main Menu Navigation Bottom

Suchformular

Main-Menu Navigation Bottom

Editorial 2017

Editorial 2017

EDITORIAL 2017

Grenzgebiete der Wissenschaft

Wirft man einen Blick auf den Inhalt der in den letzten 65 Jahren publizierten Beiträge in GW, so stehen die einzelnen Themen stets im umfassenden Bereich von Immanenz, Transzendenz und persönlicher Erfahrung. Selbst bei rein naturwissenschaftlichen Abhandlungen blieb die Frage, was denn letztlich alles zusammenhält, niemals ausgeklammert. Geht es schließlich bei der Beschreibung der einzelnen Phänomene doch neben aller wissenschaftlichen Exaktheit immer auch um deren Bezug zum Ganzen. So hat es nie ein Abdriften in den reinen Materialismus, Biologismus, Psychologismus oder Spiritismus gegeben.
Ausblick
Was schließlich die Zukunft betrifft, so sei hier nur kurz auf die aktuelle Situation der geistigen Auseinandersetzung und der gedruckten Information eingegangen.
Wie Sie sicherlich festgestellt haben, ist in den letzten Jahren durch das Handy eine völlig neue Kommunikationsform entstanden, die ich allerdings bereits im Jahr 2000 in einem launigen Artikel als „Globotron am Handgelenk“ beschrieben habe. Weltinformation und Weltkommunikation sind inzwischen individueller Standard, der Einzelne ist in Bezug auf Information unabhängig geworden. Das Lesen von Büchern und Zeitschriften scheint obsolet, man informiert sich punkthaft über das Smartphone, womit der augenblickliche Bedarf als gesättigt empfunden wird.
Hinzu kommt, dass im Bildungsbereich, bis hin zu den Universitäten, zunehmend das sog. „Modul-Lernen“, also die Beschäftigung mit speziellen Inhaltsblöcken, etwa Kant in der Philosophie, Platz greift. Für die Prüfung mag das von Vorteil sein, für eine umfassende Bildung bedeutet es jedoch den Todesstoß, weil der Bezug zu anderen Philosophen, d.h. die umgebende Philosophiegeschichte, damit ausfällt. Das Punktwissen wird dem Bezugswissen geopfert. Dieses Punktwissen deckt sich mit dem raschen Wissenserwerb über das Smartphone und wird so zum neuen Denkhorizont nach dem Motto „Hol dir, was du brauchst!“ Was brauche ich? Das bestimmt die momentane Fragestellung. Nach größeren Zusammenhängen besteht kein Verlangen, weil der gegebene Wissenshorizont es nicht erfordert.
Printmedien
Hierin liegt der Grund, warum Zeitschriften und Bücher mit ausführlichen Argumentationsbeiträgen und Informationen über den Tellerrand hinaus nicht mehr verstanden und daher auch nicht mehr verlangt werden. Sie erweisen sich für den geübten Nutzer moderner Kommunikationsmittel, der sich mittlerweile in den Sphären von 4.0 bewegt, als schwer verdaulich. Hier greift mein alter Spruch für erfolgreiche Ansprachen: „Sprich, was das Volk denkt, dann denkt das Volk, was du sprichst!“
Diese Entwicklung besagt allerdings nicht auch schon das Ende der Printmedien, im Gegenteil! Der Vorteil des Gedruckten gegenüber elektronischen Medien ist nämlich von grundsätzlicher Natur. Gedrucktes fördert das Tastempfinden, schont die Augen, erweitert den Anwendungsbereich, unterstützt die Freiheit, weitet den Erinnerungsraum und gestaltet die Umgebung.
Im wissenschaftlichen Raum, wo es vornehmlich um Zeit und Inhalt geht, ist die gedruckte Publikation durch die Möglichkeit der Angaben von Internetquellen schon rein aus finanziellen Gründen nur mehr durch Zuschüsse aufrechtzuerhalten. Hinzu kommt noch, dass wissenschaftliche Medien vielfältig kopiert, von Bibliotheken in digitaler Form verkauft und von Internetprovidern sogar frei zur Verfügung gestellt werden, ohne den Urheber auch nur zu fragen geschweige denn zu honorieren, denn: Wissenschaft ist frei!
Damit ist auch gesagt, dass die wissenschaftliche Publikation als solche praktisch nur noch künstlich gehalten wird.
Gerade aufgrund dieser nüchternen und zum Teil auch ernüchternden Daten wollen wir unseren Lesern an dieser Stelle einmal für ihre Treue danken und allen ein erfolgreiches Jahr 2017 wünschen.

Redaktion und Mitarbeiter von GW