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Editorial 2016

Editorial 2016

EDITORIAL 2016

„DIE GESCHICHTE DER MENSCHHEIT IST EINE GESCHICHTE
DER MIGRANTEN… AUCH UNSER GLAUBE BEKRÄFTIGT DIES:
WIR SIND ALLE PILGER.“

Migration und Flucht als Ort der Theologie


PETER FONK

Die XIV. Außerordentliche Generalversammlung der Bischofssynode stand unter dem Thema „Die Berufung und Sendung der Familie und Kirche in der Welt von heute“ und gab damit ein deutliches Signal. Fünfzig Jahre nach dem Abschluss des II. Vatikanischen Konzils knüpft sie explizit an dessen umfangreichste Konstitution an, die von den Konzilsvätern als letzte verabschiedet wurde – die Pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute „Gaudium et spes“. Dieses Konzil, das untrennbar mit der Person des vom Sozialkatholizismus geprägten Papstes Johannes XXIII. verbunden ist, gab der Kirche eine veränderte Ortsbestimmung auf den Weg.1 Sie sollte zuerst den Menschen dienen und sich dazu glaubhaft und überzeugend in der Welt positionieren (GS 2 u. 3). Diesen Auftrag kann sie aber nur erfüllen, wenn ihr nichts Menschliches fremd bleibt (GS 1) und sie die Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums zu deuten weiß (GS 3). Zeichen der Zeit sind jene Phänomene, die als Anwesenheits-, Wirkungs- und Handlungsraum Gottes erkannt werden.2
Schon zu Beginn seines Pontifikats gab Franziskus deutlich zu erkennen, worin er die Zeichen der Zeit erkennt und wie ernst es ihm damit ist, die engste Verbundenheit der Kirche mit der ganzen Menschheit überzeugend vorzuleben. Sein erster offizieller Besuch außerhalb Roms führte ihn auf die Mittelmeerinsel Lampedusa, wo er der auf der Überfahrt von Afrika ertrunkenen Flüchtlinge gedachte. Eindringlich wies der Papst in seiner Predigt auf die Leiden der vielen Menschen hin, die weltweit auf der Flucht sind.
Die Leiden der Armen, für deren Rechte das II. Vaticanum in der Pastoralkonstitution nachdrücklich eintritt, bezieht Franziskus auf die Migranten,Flüchtlinge und Verfolgten, die ihre Heimat unfreiwillig verlassen mussten, um ihr Leben zu retten.3
So lag es nahe, dass dieses für den Papst zentrale Anliegen, mit dem die Glaubwürdigkeit der Kirche steht und fällt, auch von der bereits erwähnten Bischofssynode zum Thema gemacht wurde. In ihrem Abschlussbericht an Papst Franziskus widmet sie deshalb der Situation der Migranten, Flüchtlinge und Verfolgten einen eigenen Punkt in einem größeren Kapitel, das sich besonders mit der Situation von Familie vor dem Hintergrund brüchiger Biographien, Krisen und Wendepunkte befasst. Der Titel dieses Beitrags, der einige Kernsätze aus diesem Dokument zitiert4, gibt zu erkennen, dass Migration, Flucht, Vertreibung und Asyl als Zeichen unserer Zeit gedeutet werden müssen. Sie gehören substantiell zur Geschichte und dem Selbstverständnis des Christentums, sodass die damit verbundenen Erfahrungen durchaus als locus theologicus verstanden werden können.5 Ohne nun auf die klassische Lehre Melchior Canos einzugehen, derzufolge die loci die Dignität einer theologischen Aussage verbürgen oder zumindest zu einer vernünftigen Einsicht in Grundaussagen des Glaubens beitragen, ist unschwer zu erkennen, dass die Aussageabsicht der Synode in diesem Punkt einen Perspektivenwechsel mit sich bringt: Flucht, Asyl und Migration sind nicht nur Applikationsort, Bewährungskontext und Forschungsgegenstand von Theologie, sondern auch Entstehungskontext und Lernort.6 Die damit verbundenen Erfahrungen können somit auch Ort in dem Sinne sein, dass die Theologie selbst in die Schule geschickt wird und dazulernt. Anders gesagt: Sie sind „ein theologiegenerativer Ort.“7
Diese Überlegungen könnten im ersten Moment theoretisch und abstrakt klingen. Sie sind es aber keineswegs. Das wird sofort deutlich, wenn man sie ins Praktische wendet und in die Frage nach den konstitutiven biblischen Ursprungsorten christlicher Selbstdeutung überführt.
Tatsächlich sind die biblischen Texte des Alten und Neuen Testaments von der Geschichte der Vertreibung, der Wanderung, des Exils und der Flucht durchzogen. Sie beginnt mit der Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies, setzt sich fort in der Neuansiedlung Noahs und seiner Familie nach der Sintflut, dem Auszug Abrahams in das verheißene Land, Jakobs Flucht vor Esau, Josefs Verschleppung nach Ägypten bis schließlich zur Übersiedlung seiner gesamten Sippe dorthin. Ihren Höhepunkt findet diese Geschichte nach dem Auszug aus Ägypten, dem Durchzug durch Palästina und schließlich im Niemandsland Palästina. Im kleinen heilsgeschichtlichen Credo (Dtn 26, 5-9) verdichtet sich die Erfahrung der Migranten-Identität. Der Satz „Mein Vater war ein heimatloser Aramäer“ macht deutlich, dass biblische Theologie sich als Theologie der Migration manifestiert.8 Das alttestamentliche Gebot, auch den Fremden zu lieben (Lev 19, 34) und ihn an den Festen teilhaben zu lassen, ohne die religiösen Pflichten des Judentums übernehmen zu müssen (Ex 20, 10; Dtn 5, 14), wird im Neuen Testament am Beispiel des barmherzigen Samariters (Lk 10, 25-37) indirekt zitiert und vertieft: Derjenige, der von Jesus als Adressat der Nächstenliebe vorgestellt wird, ist nicht nur der Volksgenosse bzw. Angehörige der eigenen Glaubensgemeingemeinschaft, allerdings auch nicht in einem vagen und entgrenzten Sinn die ganze Menschheit, sondern primär jeder Not leidende Mensch – auch der Fremde. Die Gerichtsrede im Matthäusevangelium (Mt 25, 31-46) vermittelt die Botschaft, dass die Verantwortung für den Fremden zum ethischen Gebot und zugleich zum spirituellen Begegnungsort mit Christus selbst wird.9
Weil es in der Frage des Umgangs mit Flüchtlingen um Kernbestände christlicher Identität geht, ist die Besorgnis der 45 bayerischen Ordensoberen sehr verständlich, die scharfe Kritik an der Flüchtlingspolitik von Ministerpräsident Hort Seehofer geübt und an ihn appelliert haben, dringend von einer Rhetorik Abstand zu nehmen, die Geflüchtete ins Zwielicht stellt. Stattdessen müsse man in ihnen jene Schwestern und Brüder sehen, die in Not geraten und auf unsere Solidarität angewiesen sind.10
Es hilft nämlich nicht, Europas Außengrenzen abzuriegeln, sodass Flüchtlingen und Asylsuchenden der Zutritt verwehrt bleibt. Um es in einem Wort von Bischof Genn zu sagen: „Stacheldrähte lösen die Probleme nicht.“11
Bei aller verständlichen Sorge um die Grenzen der Aufnahmekapazitäten der europäischen Länder darf nicht vergessen werden, was diese Menschen dazu treibt, ihre Heimat zu verlassen und die Gefahren einer Flucht auf sich zu nehmen. Denn niemand verlässt seine Heimat freiwillig. Da bedarf es schon sehr gewichtiger Gründe. Die Ursachen der gegenwärtigen großen Fluchtwellen sind vielfältig und komplex.12 Krieg, Gewalt und Verfolgung ohne Grund sind die am häufigsten genannten Gründe. Teilweise sind die Regierungen direkt verantwortlich für Fluchtgründe wie systematische Menschenrechtsverletzungen, fehlender Minderheitenschutz, Diskriminierung oder Verfolgung ganzer Ethnien oder mangelnde Chancen zur politischen oder ökonomischen Teilhabe. Auch chronische Armut und Hunger können Folgen verfehlter Politik sein. Sie können aber auch durch Entwicklungen befördert werden, auf welche die eigene Regierung nur kaum Einfluss hat. Dazu zählen etwa der Klimawandel, ungerechte internationale Handelspolitik sowie die aggressiven Strategien global agierender Konzerne zur Rohstoff- und Ressourcensicherung. Die Lieferung scheinbar unbegrenzter Mengen an Kleinwaffen und schwerem Kriegsgerät auch für nichtstaatliche Akteure gehört ebenfalls zu den Ursachen.
Die Ausmaße, welche die entfesselte Gewalt von IS-Milizen gegen Kurden, Jesiden und – was leider allzu oft übersehen wird – gegen Christen in Syrien und im Nordirak inzwischen erreicht hat, machen verständlich, dass angesichts solcher grausamen Hinschlachtung von unschuldigen Menschen, die geplant und im großen Stil durchgeführt werden, das Verlassen der Heimat als einzige Möglichkeit bleibt, um das eigene Leben zu retten. Darüber darf man ebenfalls nicht vergessen, dass der größte Teil der Flüchtlinge Muslime sind, die am häufigsten Opfer des Terrors werden.
Die Flüchtlinge, die schließlich Deutschland erreicht haben und entweder als anerkannte Konventionsflüchtlinge, als Flüchtlinge mit subsidiärem Schutz und Abschiebeverbot oder zumindest als geduldete Flüchtlinge auch bleiben dürfen, stellen Gesellschaft und Politik vor neue Herausforderungen. Was viele Politiker über lange Zeit nicht wahrhaben wollten, kann inzwischen niemand mehr bestreiten: Deutschland ist schon lange Einwanderungsland geworden.13
Das Gebot der Stunde ist daher die Entwicklung eines Konzepts, das nicht von der Rückkehrbereitschaft der Flüchtlinge, sondern ihrer Eingliederung in die Gesellschaft ausgeht.14 Daraus leitet sich ein schnellstmöglicher Zugang zum Bildungs- und Arbeitsmarkt ab.
Hier sind Caritas und Diakonie in besonderer Weise gefordert. Zu ihren Kernaufgaben im Bereich der Ersthilfe gehört das vielfältige Engagement der großen christlichen Wohlfahrtsverbände, das wir derzeit deutschlandweit erleben: bei der Schaffung und Bereitstellung von Flüchtlingsunterkünften und der Wahrnehmung der umfangreichen Betreuungsaufgaben – sei es bei der Beratung in Rechtsfragen, der Einbeziehung in die reguläre Gesundheitsversorgung oder gelegentlich auch der Intervention bei den Ausländerbehörden und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.
Mit der Leistung sofort notwendiger Ersthilfe ist der Auftrag von Caritas und Diakonie noch keineswegs erfüllt. Der nächste wichtige Schritt besteht darin, Maßnahmen der Integration zu entwickeln und umzusetzen. Denn der Weg, der hinter den Flüchtlingen liegt, ist noch nicht zu Ende, wenn sie das geographische Ziel erreicht haben. Dann warten neue Herausforderungen auf sie. Die Hauptaufgabe besteht darin, den eigenen Platz in der Aufnahmegesellschaft zu finden und sich in diese zu integrieren. Einschlägige Erfahrungen mit gelungenen, misslungenen oder auf halbem Wege stehen gebliebenen Integrationsmaßnahmen liegen auch in Deutschland bereits seit langem vor. Der Prozess begann in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit den Arbeitsmigranten aus dem Mittelmeerraum, deren Angehörige später nachzogen. Es folgten inden 1980er und 1990er Jahren Menschen aus der Türkei, Afghanistan und Ex-Jugoslawien, die Schutz vor Verfolgung suchten. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Ende der Sowjetunion kamen deutschstämmige Spätaussiedler und deren Angehörige. Der Begriff „Menschen mit Migrationshintergrund“ umfasst somit zugewanderte Ausländer, Flüchtlinge, Spätaussiedler und Eingebürgerte sowie die in Deutschland geborenen Kinder aller genannten Gruppen.15 Zu Recht wird deshalb Integration als eine der Schlüsselaufgaben der Zukunft betrachtet.
Probleme ergeben sich u.a. daraus, dass ein Teil der Menschen mit Migrationshintergrund über nicht zufriedenstellende Kenntnisse der deutschen Sprache verfügt. Das bedeutet in vielen Fällen eine deutliche Erschwernis für einen gleichberechtigten Zutritt zum Arbeitsmarkt und schränkt das Spektrum möglicher beruflicher Tätigkeiten von vornherein ein. Auch hinsichtlich des Demokratieverständnisses und der Gleichstellung der Geschlechter liegen nicht selten differierende Auffassungen vor. Bildungsbenachteiligung sowie erschwerte Vermittelbarkeit auf dem Arbeitsmarkt sind Faktoren, die sich als Hindernisse auf dem Weg der Integration erweisen. Allerdings kann das auch auf die Situation von Deutschen ohne Migrationshintergrund zutreffen, was die Schlussfolgerung nahelegt, dass die Ursachen wohl eher in sozialer Segregation und gesellschaftlicher Ausgrenzung zu sehen sind.
Dass die Bewältigung der Herausforderungen durch Flucht und Migration sowie die Integration in die Aufnahmegesellschaft eine der größten Zukunftsaufgaben darstellen, ist der katholischen Kirche und den christlichen Kirchen überhaupt deutlich bewusst. Sowohl auf weltkirchlicher16 als auf nationaler Ebene17 hat die katholische Kirche zu diesem Thema mehrfach ausführlich Stellung bezogen.18


A n m e r k u n g e n:

1 Vgl. H.-J. Sander: Theologischer Kommentar zur Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, in: P. Hünermann / B. Jochen Hilberath: Herders Theologischer Kommentar zum Zweiten Vatikanischen Konzil (2005), Bd. 4, S. 700f.
2 Vgl. R. Polak / M. Jäggle: Gegenwart als locus theologicus, in: J. H. Tück (Hg.): Erinnerung an die Zukunft (2012), S. 579.
3 Weltweit sind ca. 60 Mio. Menschen auf der Flucht, davon ca. 20 Mio. Flüchtlinge, 38 Mio. Binnenvertriebene und ca. 2 Mio. Asylsuchende (Quelle: UNHCR Weltflüchtlingszahlen, online unter: www.unhcr.de/service/zahlen-und-statisktiken.html, zuletzt aufgerufen am 16.12.2015). In Deutschland gibt es verschiedene Schätzungen, angenommen wird eine Zahl von ca. 1. Mio Asylsuchenden (Quelle: http://mediendienst-integration.de/migration/flucht-asyl/zahl-der-fluech..., zuletzt aufgerufen am 16.11.2015).
4 XIV. Außerordentliche Generalversammlung der Bischofssynode, „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“. Abschlussbericht (2015), S. 18.
5 Diesen wertvollen Hinweis verdankt der Verfasser dem instruktiven Beitrag von R. Polak / M. Jäggle: Gegenwart als locus theologicus (2012), insbes. S. 583 –587.
6 Vgl. ebd., S. 594.
7 Vgl. R. Polak: Migration als Ort der Theologie, in: T. Keßler (Hg.): Migration als Ort der Theologie (2014), S. 87–114.
8 A. M. Karimi, Auf der Flucht (2015), gibt den wichtigen Hinweis, dass neben dem Judentum auch der Islam zu den Religionen zählt, die „…fortwährend von der Urerfahrung der Flucht erzählen, deren Vergegenwärtigung…Symbolcharakter besitzt. Die Flucht, dass der Mensch exiliert, immer wieder und immerfort, ist eine islamische Lehre…Der Prophet ist nicht bloß im Jahre 621/622 von Mekka nach Medina ausgewandert. Es ist die Erfahrung der Flucht, die den Gesandten Gottes prägt… Wer glaubt, ist ein Flüchtling.“
9 A. M. Karimi, ebd., weist darauf hin, dass auch in diesem Punkt eine wichtige Parallele des Islam zum Christentum vorliegt: „Wer der Spur des Propheten folgt, hat ihn zunächst als Flüchtling…zu begreifen. Wer einem Flüchtling die Hand reicht, wer einen Flüchtling pflegt und seiner gedenkt, der gedenkt des Propheten.“
10 Offener Brief (höherer) Ordensoberinnen und Ordensoberer an Ministerpräsident Horst Seehofer für ein menschenfreundliches Engagement für Geflüchtete, 12. November 2015, online unter: http://www.orden.de/aktuelles/meldung/?no_cache=1&tx_ignews_newsdetail%5...
newsdetail%5Baction%5D=show&tx_ignews_newsdetail%5Bcontroller%5D=News&cHash=
a74e6147feb6bf0ab4551276ec9f0f58 (zuletzt aufgerufen am 8.01.2016).
11 Bischof Dr. Felix Genn: „Stacheldrähte lösen die Probleme nicht!“, in: Unsere Seelsorge (2015), S. 18.
12 Vgl. Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung, „Der Fremde soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer; und du sollst ihn lieben wie dich selbst (3 Mose 19, 34)“. Erklärung der Konferenz Diakonie und Entwicklung zur Aufnahme von Flüchtlingen, Bremen, 3. Oktober 2014.
13 Deutscher Caritasverband: Miteinander leben (2008), S. 3.
14 Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung, „Der Fremde soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer; und du sollst ihn lieben wie dich selbst (3 Mose 19, 34)“. Erklärung der Konferenz Diakonie und Entwicklung zur Aufnahme von Flüchtlingen, Bremen, 3. Oktober 2014.
15 Vgl. V. Safraider: Lebenszeugnis, in: P. Klasvogt / H. Pompey (Hg.): Liebe bewegt und… (2008), S. 304 –317. Dort macht Safraider darauf aufmerksam, das Schwierigkeiten für Spätaussiedler, integriert zu werden und gleichberechtigten Zutritt zum Arbeitsmarkt zu bekommen, in vielen Fällen den Problemen entsprechen, mit denen auch Asylbewerber und Migranten zu kämpfen haben: mangelnde Sprachkenntnisse und Nichtanerkennung der im Ausland erworbenen beruflichen oder akademischen Abschlüsse.
16 Vgl. Pius XII, Apostolische Konstitution „Exsul Familia“, 1. August 1952, (VApS 44); II. Vatikanisches Konzil, Pastorale Konstitution „Gaudium et spes“, 27; 65; 66; 87; Paul VI., Motu proprio „Pastoralis Migratorum cura“, 15. August 1969. Kongregation für die Bischöfe, Instruktion „De pastorali migratorum cura“, 22. August 1969; Päpstlicher Rat für die Migranten und Menschen unterwegs, Instruktion „Erga migrantes caritas Christi“, 2. Mai 2004).
17 Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.), Leben in der Illegalität in Deutschland – eine humanitäre und pastorale Herausforderung, 21. Mai 2001 (Kommission für Migrationsfragen; 25). Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.), Integration fördern – Zusammenleben gestalten. Wort der deutschen Bischöfe zur Integration von Migranten, 22. September 2004 (Die deutschen Bischöfe; 77).
18 Vgl. A. Bünker: Migration und die Diversifizierung in christlichen Gemeinden, in: R. Polak / W. Reiss (Hg.): Religion im Wandel (2015), S. 293–316. Bünker weist darauf hin, dass die Folgen der Zuwanderung nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Kirche selbst betreffen, weil sie auch spürbare Auswirkungen auf die Identität christlicher Gemeinden haben können.
19 A.-P. Rethmann: Asyl und Migration (1996), S. 333.
20 Vgl. W. Kasper: Barmherzigkeit (2012), S. 180.
21 Eine eingehende Analyse der weiteren und entfernteren Ursachen bietet A. Küppers, Die kirchliche Soziallehre und der Wandel des Wohlfahrtsstaates, in: G. Dal Toso / P. Schallenberg, Nächstenliebe oder Gerechtigkeit? (2014), S. 137–156; vgl. auch Karl-Heinz Zerrle: Die Schwachen als Maßstab, in: J. Günther / B.Haslbeck (Hg.): Wer hilft, wird ein anderer (2006), S. 351 – 357. Zerrle leitet aus dieser Erkenntnis grundsätzliche Überlegungen für die zukünftige Verortung der verbandlichen Caritas im modernen Sozialstaat ab, dessen Krise er nicht nur als Finanzierungskrise, sondern als Verlust christlicher Werthaltungen interpretiert.
22 W. Kasper: Barmherzigkeit (2012), S. 187.
23 Ebd., S. 193.


L i t e r a t u r

Bünker, Arnd: Migration und die Diversifizierung in christlichen Gemeinden, in: Regina Polak / Wolfram Reiss (Hg.): Religion im Wandel. Transformation religiöser Gesellschaften in Europa durch Migration – Interdisziplinäre Perspektiven. Göttingen: V & R Unipress, Vienna Univ. Press, 2015, S. 293 –316.
Deutscher Caritasverband: Miteinander leben. Perspektiven des Deutschen Caritasverbandes zur Migrations- und Integrationspolitik. Freiburg, 2008.
Genn, Felix: „Stacheldrähte lösen die Probleme nicht!“, in: Unsere Seelsorge. Das Themenheft der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat Münster. Münster, 2015, S. 18f.
Karimi, Ahmad Milad: Auf der Flucht. Die Bedeutung neuer muslimischer Flüchtlinge für Deutschland. HerKorr Spezial 2/2015.
Kasper, Walter: Barmherzigkeit. Grundbegriff des Evangeliums – Schlüssel christlichen Lebens. Freiburg i. Br.: Herder, 2012.
Küppers, Arnd: Die kirchliche Soziallehre und der Wandel des Wohlfahrtsstaates, in: G. Dal Toso / P. Schallenberg: Nächstenliebe oder Gerechtigkeit? Zum Verhältnis von Caritastheologie und christlicher Sozialethik (Christliche Sozialethik im Diskurs; 5). Paderborn: Schöningh, 2014, S. 137–156.
Polak, Regina: Migration als Ort der Theologie, in: Tobias Keßler (Hg.): Migration als Ort der Theologie (Weltkirche und Mission; 4). Regensburg: Pustet, 2014, S. 87–114.
Polak, Regina / Jäggle, Martin: Gegenwart als locus theologicus. Für eine migrationssensible Theologie im Anschluss an Gaudium et spes, in: Jan Heiner Tück (Hg.): Erinnerung an die Zukunft. Das Zweite Vatikanische Konzil. Freiburg / Basel / Wien: Herder, 2012, S. 570 –598.
Rethmann, Albert-Peter: Asyl und Migration. Ethik für eine neue Politik in Deutschland (Schriften des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften der Universität Münster; 33). Münster: Lit, 1996.
Safraider, Vlada: Lebenszeugnis: ‚Eigentlich wollte ich überhaupt nicht nach Deutschland kommen…!‛, in: Peter Klasvogt / Heinrich Pompey (Hg.): Liebe bewegt und … und verändert die Welt. Programmansage für eine Kirche, die liebt. Eine Antwort auf die Enzyklika Benedikts XI. ,Deus caritas est‘, 2008,S. 304 –317.
Sander, Hans-Joachim: Theologischer Kommentar zur Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, in: Peter Hünermann / Bernd Jochen Hilberath: Herders Theologischer Kommentar zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Freiburg / Basel /Wien: Herder, 2005, Bd. 4, S. 581– 886.
XIV. Außerordentliche Generalversammlung der Bischofssynode, „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“. Abschlussbericht der Bischofssynode an Papst Franziskus, Arbeitsübersetzung des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz, 24. Oktober 2015.
Zerrle, Karl-Heinz: Die Schwachen als Maßstab. Optionen für die Caritas, in: J. Günther / B.Haslbeck (Hg.): Wer hilft, wird ein anderer. Zur Provokation christlichen Helfens. FS für Isidor Baumgartner. Münster: Lit, 2006, S. 351–357.


Prof. Dr. Dr. Peter Fonk, Lehrst. f. Theologische Ethik, Universität Passau,
Michaeligasse 13, D-94032 Passau
Peter.fonk@uni-passau.de