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Abschied von GW

Abschied von GW

Zum Abschied von GW mit neuer Perspektive

Nach 50 Jahren der Redaktion der Zeitschrift Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) halten wir der Zeit entsprechend auch den richtigen Augenblick gekommen, das Erscheinen der Zeitschrift GW mit einem kurzen historischen Rückblick zu beenden.

Josef Kral und Dr. Alois Wiesinger

Jossef KralWie bekannt gehen die gedanklichen Wurzeln von GW in die Anfänge des vorigen Jahrhunderts zurück und hängen mit der Lebensgeschichte des Gründers der Zeitschrift, dem Verleger Josef Kral und der Mitarbeit von Abt Dr. Alois Wiesinger zusammen.
Josef Kral  (Abb.1 ) wurde am 15. August 1887 in München geboren. Nach Vollendung seiner Studien trat er 1906 in Augsburg seine journalistische Laufbahn an.
Von 1906 bis 1930 stand Kral in einer unermüdlichen Auseinandersetzung mit dem Freidenkertum und dem Kommunismus. 1910 verheiratete er sich mit Anna Jäger. Der überaus harmonischen Ehe entsprossen drei Kinder: Lore, Traudl und Rudolf. 1910/11 war Kral Direktor der 1. Internationalen Katholischen Telegraphen-Agentur, an deren Gründung er wesentlich beteiligt war. Ferner war er langjähriger Herausgeber der Katholischen Weltkorrespondenz.

1917 trat er in Versammlungen und Reden für die Friedensresolution des Deutschen Reichstages ein und gab die Schrift des Priesters Magnus Jocham, Der Friedenspapst und das deutsche Volk, heraus. 1917/18 gründete Kral mit Jocham und Reichsminister Erzberger den "Friedensbund Deutscher Katholiken". Mit dem 1944 in Berlin ermordeten Priester Max Metzger arbeitete er am Weltfriedenswerk vom Weißen Kreuz. 1919 beschäftigte er sich mit einem christlichen Sozialismus und war Mitglied der Studienrunde katholischer Soziologen. 1920 gründete er dann mit Vitus Heller aus Würzburg, dem Leiter der christlichen Gewerkschaftsbewegung, die "Christlich Soziale Partei Bayerns" (Bayerisches Zentrum). Von 1920 - 1924 war Kral Landesvorsitzender der Partei und Reichstagsspitzenkandidat der Deutschen Zentrumspartei in Bayern. 1930 übernahm er die Verlegung des Abensberger Tagblattes. Wegen seiner christlichen Gesinnung wurden ihm aber von 1934 bis 1945 Schriftleiter- und Verlegereigenschaft aberkannt. Dreimal steckte man ihn ins Gefängnis, und bis 1945 stand er unter der Aufsicht der Gestapo. Zudem fiel 1945 sein Sohn Rudolf, und auch der Mann seiner Tochter Lore, der Redakteur Herbert Friedrich, fand im Krieg den Tod. Dieser Verlust war für Kral ein besonders schwerer Schlag, der ihn zu einem völlig neuen Einsatz in der geistigen Auseinandersetzung der damaligen Zeit führte.
So verließ er nach all den Verlusten und Schikanen des Zweiten Weltkrieges die politische Bühne und mobilisierte einen geistigen Feldzug, indem er sich der Erforschung der so genannten "außersinnlichen" Phänomene, den unbekannten Kräften der menschlichen Seele und der Wirklichkeit einer geistigen Welt zuwandte, gedrängt von dem inneren Aufruf, "dass das neue Welt- und Menschenbild nicht vom Materialismus und einer Wissenschaft bestimmt werden darf, deren Dr. Alois Wiesingerletztes die Atombombe ist". Um dies in breiterer Form vorantreiben zu können, lud er alle damaligen Frauen und Männer, die im Bereich der Grenzgebiete mit einer spirituellen Ausrichtung hervortraten, zur Mitarbeit ein, wobei ihm der Abt des Zisterzienserstiftes Schlierbach, Österreich, Dr. Alois Wiesinger, zu einer besonderen Stütze wurde.

Dr. Alois Wiesinger (Abb. 2) ) wurde am 3. Juni 1885 in Magdalenaberg in Oberösterreich geboren. 1905 trat er in das Zisterzienserstift Schlierbach ein und wurde 1909 zum Priester geweiht. Daraufhin setzte er sein Theologiestudium fort und promovierte 1912 mit der Dissertation "War die in der Hl. Schrift berichtete Besessenheit bloße Geisteskrankheit?" zum Dr. theol. Nach kurzer Tätigkeit in der Seelsorge und als Professor für Theologie an der damaligen Theologischen Hauslehranstalt in Heiligenkreuz (österreich) wurde er 1917 zum Abt des Zisterzienserstiftes Schlierbach gewählt, das er durch vielseitige Tätigkeit und Reisen zu besonderer Blüte brachte.
Auf wissenschaftlichem Gebiet befasste sich Abt Wiesinger neben sozialen Problemen mit  der damaligen Auseinandersetzung über die Seelenkräfte. Sein Buch Okkulte Phänomene im Lichte der Theologie (1948) zeugt von einem mutigen Eintreten für die Fragen der Paranormologie und für ein geistiges Prinzip im Menschen, das damals wie heute zur Diskussion steht und für die Theologie von eminenter Bedeutung ist.

Glaube und Erkenntnis

Aus diesem Bemühen um das Geistige im Menschen kam es dann 1951 zur Gründung der Zeitschrift Erkenntnis und Glaube: Christliche Monatsschrift für Parapsychologie, Seelenkunde und Schicksalsforschung durch den Verleger Josef Kral und Abt Dr. Alois Wiesinger. Die erste Nummer erschien am 15. Juli 1951 im Aventinus Verlag Josef Kral & Co., Abensberg, Deutschland

Mit den Problemen der Paranormologie und ihren verschiedenen Erscheinungen haben sich bekanntlich von jeher Menschen beschäftigt, ein Albertus Magnus, Paracelsus, Kepler, Kant, Schelling, A. v. Humboldt, Franz v. Baader, Clemens Brentano, G. Görres, Pfarrer Gaßner, Jung-Stilling. Auch aus den letzten Jahrzehnten und der Gegenwart sind namhafte Gestalten  der Wissenschaft, der Philosophie und der Literatur darunter: Sir W. Crookes, A. R. Wallace, William James, G. Schiaparelli, Camillo Flammarion, Cesare Lombroso, Charles Richet, J. B. Rhine­, Carl C. Jung. Von deutschen Namen seien genannt: Justinus Kerner, J. K. F. Zöllner, Wilhelm Ostwald, Frhr. du Prel, Ed. v. Hartmann, Hans Driesch, v. Schrenck­Notzing, Edgar Daqué, W. v. Scholz, R. Müller-Freienfels, Gust. Th. Fechner, Graf Keyserling, F. Moser, Pascal Jordan, Rudolf Tischner, August Messer, Emil Mattiesen, H. Bender. Katholischerseits: Fr. W. Weber, Godfroy Raupert, Geheimrat Ludwig, Prof. Staudenmaier, Prof. M. Verweyen. Prof. Gatterer SJ, Prof. Mager OSB, Abt Wiesinger O.Cist., Frhr. v. Aretin, Prof. Dr. theol. Frei, Louis de Wohl, Wilh. Moock, Prof. Georg. Sigmund, Bruno Grabinski, Dr. Gerda Walther, Dr. Franz Wetzel und andere.
Es ging dabei darum, das Feld der Grenzgebiete nicht den Halbwissern, Charlatanen und Geschäftemachern zu überlassen, ging es doch um das Streben nach Wahrheit und die rettung der Seele des Menschen.

.BereDr. Gerda Waltherits in Nummer 2 vom 15. August 1951 erfolgte eine erste Änderung des Haupttitels in Glaube und Erkenntnis, um den Stellenwert des Glaubens hervorzuheben. Auch das monatliche Erscheinen erfolgte nur im ersten Jahr, während im zweiten Jahr nur mehr 7 Nummern erschienen. Im dritten Jahrgang wurde dann der Untertitel in Zeitschrift für Parapsychologie, Seelenkunde und Schicksalsforschung umbenannt und das Erscheinen zweimonatlich ausgerichtet. Im vierten Jahrgang erchienen allerdings nur mehr vier Ausgaben.
Das Jahr 1955 führte schließlich zu einem besonderen Einschnitt. Am 3. Januar 1955 starb ganz unerwartet Abt Dr. Alois Wiesinger und Josef Kral musste nun neben der Herausgabe auch die Schriftleitung übernehmen. Er änderte den Haupttitel in Verborgene Welt, womit der empirische Aspekt mehr betont werden sollte.

Im 8. Jahrgang (1959) stieg die bekannte Husserlschülerin und Philosophin Dr. Gerda Walther (Abb.3)  in die Redakton ein. Zudem wurde die von F. V. Schöffel in Wien herausgegebene Zeitschrift Das neue Licht mit Verborgene Welt vereinigt, wobei der Untertitel in: Glaube und Erkenntnis: Zeitschrift für christliche Parapsycholgie - Vereinigt mit ,Das Neue Licht' Wien umbenannt wurde. Diese Verbindung dauerte jedoch nur ein Jahr. Bereits 1960 wurde der Untertitel auf Glaube und Erkenntnis: Zeitschrift für christliche Parapsychologie verkürzt. Die inhaltliche Ausrichtung der Zeitschrift blieb zwar gleich, doch nahmen paranormologischen Themen einen immer größeren Raum ein.

 

Wechsel in der Redaktion

Am 13. Jänner 1965 starb Josef Kral in Schondorf bei München. Nach der Beerdigung am 16. Jänner fand sich in der Wohnung der Familie Kral eine kleine Gruppe von Personen ein, die vor allem auch über die Fortführung der Zeitschrift diskutierte. Dabei fiel die Entscheidung ohne große Diskussion gleich auf P. Dr. Andreas Resch. Dies hatte seinen Grund darin, dass Resch bei der Erstellung seiner Doktorarbeit Der Traum im Heilsplan Gottes: Deutung und Bedeutung des Traumes im Alten Testament mit Josef Kral in Verbindung trat, der ihn neben dem Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg mit Literatur versorgte und die Veröffentlichung der Arbeit 1964 dann schließlich mit DM 1000.- förderte, wohl schon im Blick auf seine Nachfolge, worüber aber nur am Rande gesprochen wurde. Zum Glück oder Unglück hatte Resch bis dahin weder eine Ahnung von einer Redaktion noch von den Anforderungen einer Zeitschrift, sonst hätte er sich das spontane Ja vielleicht etwas überlegt. So stürzte er sich vielmehr mit Begeisterung in die Arbeit.

Beim I. IMAGO MUNDI-Kongress auf Schloss Fürstenried in München (26.-29. September 1966) wurde nach vielseitiger Besprechung der Beschluss gefasst, die Zeitschrift Verborgene Welt ab 1967 unter dem Titel Grenzgebiete der Wissenschaft herauszugeben. Mit dieser Neubenennung wurden auch das heutige Format der Zeitschrift und die gegebene wissenschaftliche Ausrichtung festgelegt: So befasste sich die Zeitschrift fortan mit dem gesamten Bemühen von Wissenschaft und Forschung in den Grenzbereichen von Physis, Bios, Psyche und Pneuma (Geist), von Gesetzmäßigkeit und Spontanität, von Beweis und Lebenserfahrung sowie von Immanenz und Transzendenz (Abb.4).

Ganzheitspsychologie

In diesem Konzept wurde dann die Zeitschrift bis zu dieser letzten Nummer von 2017 weitergeführt und stets im Spannungsfeld von Immanenz und Transzendenz gestaltet.

In wieweit dies gelungen ist, lassen wir andere beurteilen.

Herausgeber und Redaktion haben vielmehr die angenehme Pflicht, den zahlreichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen für ihre Beiträge und Anregungen, den Abonnenten für ihre Treue und den Verlagen für die zahlreichen Rezensionsexemplare und insbesondere den Mitgliedern von IMAGO MUNDI einen offenen Dank auszusprechen.

Wir würden uns freuen, wenn sie die Arbeit des IGW und des Resch Verlages weiterhin fördern möchten.  Der beste Weg dahin wäre, wenn sie das Abonnement der Zeitschrift weiter führen würden. Sollten sie daher das Abonnement nicht kündigen, würden wir Ihnen den Betrag durch Neuerscheinungen abgelten.

Folgende Arbeiten von mir stehen noch auf dem Programm:

Die Welt des Außergewöhnlichen

Welt- und Menschenbilder

IMAGO MUNDI 15 Kongresse in einem Band

Bewusstsein, Heilung und Mystik bei Hubert Larcher

Biographische Notizen zur Paranormologie

Psychotronik

Es wäre uns eine große Hilfe, wenn Sie durch Erneuerung des Abonnements die Herausgabe der genannten Bände unterstützen würden, die sie dann gratis erhalten.

Im Übrigen können Sie unsere Arbeit weiterhin über das Internet verfolgen.

 In diesem Sinne darf ich mich im Namen aller mit Dank von Ihnen als Abonnenten von GW verabschieden und hoffe durch Ihre Weiterführung des Abonnements mit meiner Buchveröffentlichung in Verbindung zu bleiben.

Andreas Resch                                             Innsbruck, am 29. Oktober 2017